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Herzschlag der MaschinenstadtSindelfinger Zeitung vom Dienstag, 15. April 2008 Pressebericht zu unserer Veranstaltung METROPOLIS (D 1927) Film-Live-Vertonung . URAUFFÜHRUNG . Von unserem Redakteur Roman Steiner Dass Fritz Langs Stummfilm "Metropolis" von 1927 ein bildgewaltiges Kunstwerk ist, ist keine Frage. Dass er sich ausgezeichnet für die Vertonung mit elektronischen Club-Sounds eignet, hat Toni Bras bei seiner DJ-Live-Performance im Sindelfinger Pavillon bewiesen. Und somit auch die zeitlose Aktualität des Films unter Beweis gestellt. Auch heute noch beeindruckt die Optik der Filmbilder, der gewaltige Aufwand der Szenerien, die ideenreichen Tricks. Visionär wie auch utopisch der versöhnliche Ausgang der Liebesgeschichte vor klassenkämpferischem Hintergrund. Zahlreich die Auswirkungen und Einflüsse auf andere Genre-Filme, von Ridley Scotts "Blade Runner" von 1982 über Luc Bessons "Das fünfte Element" von 1997 bis George Romeros "Land of the Dead" von 2005. Der ehemalige Movida-Vorsitzende und DJ Toni Bras (Archivbild: Stampe/A) hat seit 2001 an einer Neuvertonung von "Metropolis" gearbeitet, zwischenzeitlich war das Zwischenergebnis auch schon zu hören gewesen, nun hat er seine abschließende Fassung vorgestellt. "Ich wollte der Musik mehr Tiefe geben. Und mehr Qualität", sagt er. Aus seinem Arsenal an elektronischen Wundertüten zaubert Bras wechselnde Klänge und Rhythmen, zum allergrößten Teil elektronischen Genres der alternativen Club-Kultur zugeordnet. Von Techno über Trance zu Industrial wird rhythmisch strukturiertes Material aus dem Hut gezogen, das ebenso voller Zitate steckt, wie der Film als solcher Ziel zahlreicher auf ihn rückverweisender Zitate ist. Geschichtet wie Lasagne Da gibt es Klänge, beziehungsweise Klangzitate, aus Science-Fiction-Filmen der 1950er Jahre, dann wieder tanzbare Clubmusik, kraftvoll und dennoch lässig. Zuweilen fast schon meditative Ambient-Klänge, die aber nie ihren Puls verlieren, den Herzschlag der Maschinenstadt. Zuweilen überlagern sich die Rhythmen, werden geschichtet wie Lasagne, ohne jedoch ihren eigenen Beat zu verlieren. Zitathaft erklingen für kurze Zeit Echos aus Italo-Western oder aus funky 70er-Jahre-Krimis. Gitarrensounds, Mundharmonika, Konzertflügel, Schlagzeug, rockige Passagen - Bras integriert sie in den elektronischen Klangteppich seiner digitalen Musik. Bei aller Club-Haftigkeit driftet die Geschichte nie in Richtung Disco-Gehopse, immer bleibt es ernsthafte elektronische Populärmusik. Diese verabsäumt es nicht, die Atmosphäre des Films zu unterstützen, Spannung, Bedrohung, Tempo in Musik umzusetzen. Auffällig ist ein weiterer Aspekt: Obwohl ständig und pausenlos die Breakbeats in irgendeiner Form wabern und pulsieren, stören sie nicht. Anders als beispielsweise Philipp Glass' Neuvertonung des alten "Dracula" (1931), die gehörig an den Nerven sägt. Aber warum live? Natürlich hätte Toni Bras die Möglichkeit, seine Musik aufzunehmen und zum Film abzuspielen, anstatt sie als Live-Performance aufzuführen. "Aber die Klavierbegleitung bei alten Stummfilmen war ja auch live", gibt er grinsend zu bedenken. Der Applaus im gut gefüllten Pavillon scheint ihm Recht zu geben. Mit seiner "Metropolis"-Fassung wird Toni Bras demnächst auf Deutschland-Tournee gehen. Einzelheiten sollen in den nächsten Tagen auf der Homepage www.metropolis-live.de stehen. Anmelden oder registrieren um Kommentare einzutragen
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