Deutsch, gereimt und alles andere als platt
Kreiszeitung Böblingen vom Mittwoch, 13. Mai 2009 Pressebericht zu unserer Veranstaltung Monochrome – Post Punk Indie Pop Heroes, Support: RecorderSindelfingen – Nun ist sie also am Samstagabend
zu Ende gegangen, die diesjährige
Frühjahrsstaffel im Sindelfinger Pavillon.
Doch nicht heimlich, still und leise. Nein.
Dort, wo zuletzt das Axel-Kühn-Quartett mit
Jazz brilliert hatte, betrat jetzt geballter Indie-
Pop die Bühne. Am Ende war die Begeisterung
wenigstens so groß wie die Erschöpfung
der Interpreten.
VON SIEGFRIED DANNECKER
Das Opening des Abends lag bei Recorder,
dem flotten Vierer aus Böblingen und Sindelfingen
(Musiker haben schon immer den Austausch
über Autobahngrenzen hinweg gepflegt...).
Was Robert Krülle an seinem fünfsaitigen
E-Bass, Thomas Jirasko an der E-Gitarre
und die Gebrüder Jens (E-Gitarre) und
Jan Zarnetzki (Schlagzeug) ablieferten, ist
ein herrliches Aufeinandertreffen von Melodie
und Harmonie und vorwärtstreibendem
Rhythmus.
Das alles krönt dann Krülles (Lead-)Gesang
– deutsch, gereimt und doch alles andere
als platt. Ansage für Aussage: Kluge Texte
rund um Liebe, aber auch krude Lebenswirklichkeit
und bizarrer Zeitgeist werden hier in
Balladen und süffige Arrangements verpackt.
Doch bevor das Ohr davon zu sehr eingelullt
würde, halten auch schroffe Breaks den Emotionshaushalt
beim Publikum auf Höhe. Und
das instrumentale Können? Ist ebenfalls ohne
Fehl und Tadel. Was die Jungs eine Stunde
lang von sich geben – daran gibt es auch technisch
nix zu kritteln. Soweit kommt als
Hobbymusiker nur, wer in seine Bühnenperformance
beides steckt: Lust und Leidenschaft,
aber auch eiserne Disziplin.
Der Indie-Pop-Punk ging dann nach der
Pause ab, als Hauptact Monochrome den
Pavillon proppenvoll werden ließ. Das Sextett,
das seine Stützpunkte in Stuttgart und
Basel hat und zum Üben ganz schön weite
Wege machen muss, kann den Zuschauer und
-hörer optisch wie akustisch elektrisieren.
Die Band hat einen impulsiven Beat, der beim
Publikum ebenso die Hosenbeine flattern
lässt wie er den Herzschlag erhöht.
Sänger Marc Calmbach wird am Mikro
zum reinsten Zappelphilipp, so dass man sich
fragt, wo dieser Mann mit dem asketischen
Körperbau diese Energie eigentlich herholt.
Ruhe in die Show bringt dagegen Kathrin
Hahner („Kate Complicate“), deren Stimme
eine sirenenhafte Magie ausübt. Zusammen
mit ihren Mitmusikern Helmut Pfohl, Marten
Thielges, Dominik Thomann und Chris Spekker
an E-Gitarren, -Bass und Schlagzeug ist
diese Melange alles andere als monochrom,
sondern von farbiger Leuchtkraft. Indie-
Rock changiert da sogar Richtung Jazz. Vielleicht
liegt darin der Grund, dass das Publikum
im Pavillon sichtbar rund drei Jahrzehnte
Altersunterschied umspannte, wenngleich
die Mittzwanziger bis -dreißiger klar
dominierten. Weil Antonio „Toni“ Bras und
Soundmann Raphael Bremer das Konzert
lichttechnisch und klanglich wunderbar begleiteten,
gebührt ihnen noch ein Extralob.
Man darf auf die Herbststaffel im ehrenamtlich
betriebenen Pavillon gespannt sein. Erstaunlich,
was da vor, hinter und neben der
Bühne geleistet wird. So voll wie am Samstag
dürfte die Bude ruhig öfter sein, das wäre für
die Veranstalter das schönste Geschenk.
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