Buntes Programm fordert viel Einsatz

Kreiszeitung Böblingen vom Dienstag, 29. September 2009

Ein knallvolles Programm präsentiert die IG Kultur im Herbst. Bis Weihnachten laufen 15 Veranstaltungen im Pavillon - Blues-, Rock- und Jazz-Konzerte, Musiktheater und Folklore. Die Schwaben-Rocker von Grachmusikoff eröffnen die Staffel am kommenden Samstag.

SINDELFINGEN (red). Das Programm macht den gestiegenen Anspruch der IG Kultur deutlich. Szene-Größen aus ganz Deutschland sind zu Gast, dazu eine junge reizvolle Tango-Truppe aus Argentinien.

"Seit drei Jahren gehen wir mit unserem Programm mehr Risiko ein", erläutert die Vereinsvorsitzende Gabi Jeschabek, "in den letzten Staffeln sind wir damit gut gefahren, die Zuschauer-Resonanz ist deutlich gestiegen." Allerdings bleibt die finanzielle Planung bei der IG Kultur ein Tanz auf des Messers Schneide - durch die katastrophale Situation der Stadtkasse mehr denn je. "Die Zuschüsse von Stadt und Land sind sowieso sehr klein geworden", sagt IG-Kultur-Kassier Albrecht Barth, "wenn sich das verschlechtern sollte, sieht es für uns ganz düster aus."

Doch die ehrenamtlichen Organisatoren schauen nach vorne und haben erneut ein hochklassiges und buntes Programm zusammengestellt. Zu Beginn der Staffel kommen all jene auf ihre Kosten, die nicht erst seit gestern Rockmusik hören. Nach den Oberschwaben von Grachmusikoff zum Auftakt kommt der Kölner Punkrocker Jürgen Zeltinger mit seiner Band in den Pavillon (10. Oktober), ehe eine Woche später die Kultgruppe Jane aus Hannover zu Gast ist - genauer gesagt: eine der drei Jane-Formationen, die sich inzwischen gebildet haben. Auf der Bühne in der Calwer Straße steht dann jene Truppe, die von Jane-Gründungsmitglied und -Keyboarder Werner Nadolny angeführt wird - ein Vollblutmusiker, der für den originalen Sound der Urformation steht.

Ein weiterer Schwerpunkt des Programms liegt auf dem Jazz. Mit dem "Zipflo Weinrich Quartett" (31. Oktober) und dem "Joscho Stephan Quartett" (11. Dezember) sind zwei herausragende Repräsentanten der Sinti-Jazz-Szene im Pavillon zu Gast. Die Stuttgarterin Anne Czichowsky (21. November) hat zuletzt zahlreiche Preise abgeräumt, der Auftritt der Bigband des Sindelfinger Musikvereins (6. Dezember) wird zur Tradition. "In der Frühjahrsstaffel hatten wir ja den Start des Projekts ,Jazz für Kids' und das tolle Konzert mit dem Landesjazzpreisträger Axel Kühn", sagt die IGKultur- Vorsitzende Jeschabek, "wir wollen das Jazz-Pflänzchen schon weiter pflegen."

Dazwischen tummeln sich weitere spannende Veranstaltungen wie der Musikkabarett-Abend mit Volksdampf (14. November), die stets proppenvolle AC/DC-Party (5. Dezember) oder ein Polka-Konzert mit The Shanes aus Trier (12. Dezember). Ein besonderes Gastspiel hat die IG Kultur mit dem Auftritt der jungen argentinischen Tango-Truppe El Afronte im Angebot, ausnahmsweise an einem Mittwoch (21. Oktober). "Das elfköpfige Orchester aus Buenos Aires ist auf Europa-Tournee", erzählt Jeschabek nicht ohne Stolz, "vor dem Tango-Festival in Turin schauen sie noch bei uns vorbei." Zudem gibt es wieder den offenen IG-Kultur-Treff "Feier!Abend" an jedem ersten Mittwoch im Monat, bei dem sich Vereinsmitglieder zwanglos treffen können und auch außenstehende Interessierte herzlich eingeladen sind.

Seit Ende der 80er Jahre bietet die IG Kultur ein umfangreiches Kulturprogramm im Pavillon an der Calwer Straße. Auch beim Kulturzentrum Movida, das um die Jahrtausendwende am Sindelfinger Marktplatz für Furore sorgte, mischte die IG Kultur kräftig mit. Grundlage für all das Engagement ist der ehrenamtliche Einsatz der Mitglieder und Sympathisanten.

Plakat-Plätze für Werbung waren zuletzt alle von Parteien belegt

Zurzeit besteht der harte Kern aus etwa zehn, der erweiterte Kreis aus rund 20 Engagierten. "Im Moment sind wir eigentlich ganz gut aufgestellt", freut sich Jeschabek, "dennoch muss man Abend für Abend schauen, dass man genug Leute zusammenbekommt." Schließlich braucht so eine Veranstaltung zwischen fünf und zehn Helferinnen und Helfer: Theke, Eintrittskasse, Ton- und Lichttechnik, Aufbau, Abbau - das alles will betreut und gemacht sein.

Vor dem Start in die aktuelle Staffel hat die IG Kultur noch mit der einen oder anderen Unwägbarkeit zu kämpfen. "Wegen der Bundestagswahl haben wir Probleme gehabt, ordentlich zu plakatieren", klagt Jeschabek. Zum einen sind die meisten Plätze belegt, zum anderen sei die Aufmerksamkeit der Passanten zurzeit alles andere als geschärft. "Wir haben unsere Ständer eben, so gut es geht, dazwischengestellt."

Schon länger Sorgen bereitet der IG Kultur die Situation vor der Haustür des Pavillons: Durch den Umbau des Calwer Bogens hat sich die Verkehrsführung regelmäßig verändert, der Zugang zum Pavillon war phasenweise nur über eine provisorische Zufahrt möglich. Immerhin befindet sich die Baustelle jetzt in ihrer Endphase, im kommenden Jahr sollte auf alle Fälle Ruhe eingekehrt sein. Dann will die IG Kultur ihr 30-jähriges Bestehen feiern - und zwar ohne sich um Baustellen vor dem Pavillon Gedanken zu machen, sondern um ein weiterhin lebendiges Kulturprogramm.