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Schwäbische Alt-Rocker lassen's krachenKreiszeitung Böblingen vom Montag, 5. Oktober 2009 Pressebericht zu unserer Veranstaltung GRACHMUSIKOFF - Schwoba-Rock Irgendwo ploppt ein Bier mit Bügelverschluss. Einer rülpst und erntet ein mehrstimmiges "Schulz". Es ist heiß, der Saal gestopft voll und auf der Bühne nestelt Georg Köberlein an Mikro und Kopfhörerstöpsel und flucht ein herzhaftes "Scheiße. S'goht net." Von Anna Hunger SINDELFINGEN. Rockkonzert auf Schwäbisch. Das Publikum johlt wie eine Horde Tokio-Hotel-Fans, noch bevor Grachmusikoff den ersten Ton gespielt haben. Äußerlich betrachtet kann von jugendlichem Rockgehabe allerdings keine Rede sein. Rumhüpfen wie Mick Jagger ist nicht, Drogen gibt es auch keine, außer Abführmittel, und man stellt sich bei Grachmusikoff auch nicht als Alex Köberlein, Hansi Fink, Michael Stoll oder Martin Mohr vor, sondern als Hüftgelenk, Prostata oder Neurose. Alterszipperlein eben, die mit durchschnittlich Mitte fünfzig auch "die beste schwäbische Rockband" infiltrieren. Und weil die Fans auch nicht viel jünger sind als ihre alternden Bühnen-Stars, gibt's bei Grachmusikoff statt großer Tanzfläche ein paar sittsame Sitzreihen für die, die nicht mehr ganz so lange stehen wollen. Und die Stühle wackeln ganz schön, wenn die fünf Alt-Rocker dröhnende Gitarrenriffs und fette Bässe aus den Saiten zimmern. "I han a Power, woiß ga it, wo se her isch, i dräh oft solang auf, bis mein Akku leer isch, stand emer onder Dampf, i koch em oigna Saft, was du Gefühle nennsch isch bei mir absolute Leidenschaft", singt Georg Köberlein im gelben "Ich will Rente"-T-Shirt, das sich über die Plauze spannt wie ein neuer Lederbezug über einen Champions-League-Fußball. Zwischendurch gibt's markige Sprüche wie zum Beispiel "Wir Deutsche sind einfach zu alt, zu dick und zu teuer." Oder: "Nach dem Fall der Mauer ist Deutschland so zusammengewachsen, wie man sich's gewünscht hat. Scheiße eben." Das Publikum johlt und jauchzt. Grachmusikoff feiert in diesem Jahr 30. Bühnenjubiläum, erzählt Veranstalter Klaus Haidle. Sie sind so alt, wie die IG Kultur, sagt er. Und deshalb sei es nach knapp vier Jahren Grachmusikoff-Abstinenz höchste Zeit gewesen, die schwäbischen Rocker mal wieder in den Pavillon zu holen. Zum beidseitigen Jubiläum sozusagen und zum Auftakt der neuen Pavillon-Staffel, die bis Weihnachten mit 15 Veranstaltungen von Jazz-Konzert bis Improvisationstheater aufwartet. "Grachmusikoff sind die angesagteste und kreativste Band im süddeutschen Raum", sagt Haidle. 180 zahlende Gäste bevölkern am Samstagabend den Pavillon. Gute Resonanz, findet er. Währenddessen sitzen die Musiker hinter der Bühne und trinken zur wohlverdienten Pause ein bis zwei Bier oder auch mal ein Mineralwasser für gesunde Nieren. Natürlich unterhält sich eine Band in der Pause über Politik, sagt Schlagzeuger Martin Mohr, oder darüber, was gerade nicht so gut läuft mit der Hüfte, fügt Georg Köberlein hinzu. In Wahrheit geht es natürlich immer um Frauen, ergänzt Gitarrist Hansi Fink und berichtet zu aller Erstaunen von einem winzigen, faustgroßen Igel-Baby, das gerade im Fink'schen Garten ums Überleben kämpft. "Echt jetzt?", fragt Martin Mohr. "Den muss man mit einer Flasche füttern, wie bei Robben", rät Michael Stoll. "Den Winter überlebt des Vieh eh net", kontert Igel-Papa Hansi Fink. Aber bevor die Musiker noch die Vor- und Nachteile einer Igel-Auffangstation erörtern können, geht's schon auf der Bühne weiter. Mit Texten über Frauen, die riechen wie Schweine, über Camping-Urlaube am französischen Lac de Sainte-Croix, den Mama-Mann und natürlich über den in Fankreisen geliebten einen, der immer der Arsch ist. "Oinr isch emmer dr Arsch, ond er woiß id mol warom. Oiner bleibt emmer übrig ond koiner schert sich drom." Draußen vor dem Pavillon steht Matthias Keitel, Fan der ersten Stunde, und schmökert eine Zigarette zum Flaschenbier. "Die rocken halt", sagt er begeistert. Zwar besitzt der Böblinger nicht alle CDs seiner Lieblingsband, dafür aber noch Schallplatten von "Schwoißfuaß", der "anderen Band" von Keyboarder und Sänger Alex Köberlein. "Die machen halt Texte, die kommen so richtig aus dem Leben raus", findet Matthias Keitel und lacht. Und wie gefällt ihm das Konzert? "Da kann ich nur eins sagen", stellt der Fan fest, nippt an seinem Bier und zitiert seine Grachmusikoff-Lieblings-Textstelle. "Was ist schon eine verschissene Unterhose in den Weiten des Kosmos." Anmelden oder registrieren um Kommentare einzutragen
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