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Länger warten als hörenSindelfinger Zeitung vom Mittwoch, 14. Oktober 2009 Pressebericht zu unserer Veranstaltung ZELTINGER BAND – Deutsch-Punk und -Rock Alt ist er geworden, unser Kölner „Asi mit Niwoh“: Als sich Jürgen Zeltinger um 21.52 Uhr goldkettenbehangen auf die Bühne des Sindelfinger Kulturpavillons wuchtet, kann er sich kaum auf den Beinen halten. Natürlich dürfte er, wie stets bei Liveauftritten, bereits tüchtig gebechert haben. 60. Geburtstag Doch das allein ist es nicht: Der Schmerz in Rücken und Gliedern ist Zeltinger, der am 25. Mai seinen 60. Geburtstag feierte, anzusehen. Ein Konzert im Stehen zu bestreiten ist für Jürgen Zeltinger nicht mehr drin: Weite Strecken des Sindelfinger Konzerts absolviert er vom Hocker aus. Umso lauter und rotziger föhnen Zeltinger und seine Vier-Mann-Band ihre seit 30 Jahren bewährte Musikrezeptur irgendwo zwischen Deutschpunk und Prollrock dem Publikum im halbvollen Kulturpavillon um die Ohren. Voll hingegen sollte sein, wer am Sound uneingeschränkte Freude haben möchte: Allzu laut aufs Ohr drückend verschwimmen die Konturen der Instrumente, Zeltingers Gesang kann sich nicht behaupten, bleibt über weite Strecken unverstehbar. Saufen und Mitgröhlen Alkohol scheint zu helfen, auf und vor der Bühne: Wer sich dem Promillelevel auf der Bühne angleicht, feiert die Party, um die es eigentlich geht. Saufen und Mitgröhlen heißen die Eckpfeiler des echten Zeltinger-Lebensgefühls, Sound ist egal, Texte hat man eh im Kopf. Und wenn nicht, schert’s auch keinen, zum Refrain den Zeigefinger zur Decke strecken geht immer noch, wenn der Gleichgewichtssinn noch mitspielt. Ab halber Konzertstrecke gehen die ersten Fluppen an, wird dem Nichtrauchergesetz eins ins Gesicht gepafft, Prost! Um 23.12 Uhr heißt es zum ersten Mal „Tschüss“ von Jürgen Zeltinger, und diejenigen Zuschauer, die ab 20 Uhr länger auf den Konzertbeginn gewartet haben, als tatsächlich Musik gehört, linsen auf ihre Uhren: Echt schon Schluss? Nicht ganz: Noch zweimal lässt sich die Zeltingerband kurz auf die Bühne bitten. Bei den Klassikern „Mein Vater war ein Wandersmann“ und „Müngersdorfer Stadion“ geht noch einmal die Hölle ab, bevor nach knapp anderthalb Stunden endgültig Schluss ist. Soundtrack zum Untergang Ist dieses Konzept gruselig oder konsequent? Jürgen Zeltinger zelebriert mit seinem Musik- und Liveauftrittkonzept einen Lebensstil, dessen letzte Konsequenz als selbst herbeigeführter körperlicher Verfall und als in den Zwischenansagen vernuschelte S-Laute glasklar vor Augen tritt. Ironisch ist an diesem Soundtrack zum eigenen Untergang rein gar nichts. Hier macht einer ernst mit seiner Rebellion gegen jegliche Leistungsansprüche, „morgen geht’s aufs Sozialamt“, und das schließt konsequenterweise Ansprüche der herrschenden Gesundheitsdoktrin an den eigenen Körper ein. Notfalls gilt es, das eigene Schnaufen und Rasseln in der Lunge mit lauter Musik zu übertönen. Erst 90 Minuten nach dem angekündigten Konzertbeginn kam Jürgen Zeltinger auf die Pavillon-Bühne und verbrachte praktisch das gesamte Konzert in Sindelfingen auf dem Hocker. Anmelden oder registrieren um Kommentare einzutragen
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