Kämpferische Entschlossenheit

Sindelfinger Zeitung vom Samstag, 24. Oktober 2009
Pressebericht zu unserer Veranstaltung EL AFRONTE - Tango Argentino aus Buenos Aires

Von unserem Mitarbeiter Thomas Volkmann

Seit seiner Geburtsstunde Ende des 19. Jahrhunderts hat sich die Tangomusik immer wieder verändert. Hierzulande wird Tango gerne mit der Spiel- und Interpretationsart eines Astor Piazzolla assoziiert. Seine Komposition „Libertango“ hatten auch El Afronte mit im Gepäck. In ihrer Spielart freilich. War der Tango immer auch Ausdruck der existenziellen Not seiner Gesellschaft, also quasi als Blues der Südamerikaner, so bricht er sich in der Fortentwicklung durch das Orquesta Tipica El Afronte nun in Form von Wut Bahn.

Die Wirtschaftskrise in Argentinien zwischen 1998 und 2002 mag durchaus ihren Anteil daran haben. Gegründet wurde das mit vier Bandoneons, drei Violinen, Cello Bass, Klavier und einem Sänger angetretene Ensemble letztlich im Jahr 2004.

Schon in der Aufstellung auf der Bühne kommt diese kämpferische Entschlossenheit zum Ausdruck. So wie die vier Bandoneonisten in der vorderen Reihe ihre „Ziehkästel“ reißen und drücken, mit jedem Takt noch dazu das Knie heben und man meinen könnte, jetzt würden sie ihr Instrument regelrecht übers Knie brechen, das wirkt von der Bewegung, der starrsinnigen Entschlossenheit und dem wuchtigen Crescendo wie der Vormarsch einer kleinen Armee. Dazu passt immer wieder auch der mit beiden Händen die Tasten des Klaviers von den Seiten zur Mitte hin in einem Rutsch abfahrende Griff des Pianisten. Tango Hardcore, kommt’s einem da in den Sinn.

Beim Hörer hinterlässt dieser von gewaltigen Arrangements erzeugte Klang ein Gefühl von Ohnmacht und Irritation, aber auch von Faszination. Und auch wenn das gewohnte Taktgefüge des Tangos durch diese aggressive und wuchtige Interpretation unbeeinträchtigt bleibt, die Tanzfläche blieb bei diesem ausgesprochen gut besuchten Konzert im Pavillon frei von sich in der bekannten Schrittfolge übers Parkett schiebenden Paaren.

Im Tango mag viel vom Tod die Rede sein. Er selber erfreut sich, auch dank der jungen Musiker, die ihn für ihre Generation neu interpretieren, bester Gesundheit.