Chicago-Blues aus München

Sindelfinger Zeitung vom Mittwoch, 28. Oktober 2009
Pressebericht zu unserer Veranstaltung LITTLE MARTIN & THE ROOSTERS – Chicago Blues Pur

Von unserem Mitarbeiter Thomas Volkmann

Auch wenn sie sich Chicago-Blues auf die Fahnen geschrieben haben: Little Martin & The Roosters kommen, wenn sie Ansagen machen, unüberhörbar aus München. Nach längerer Bühnenabstinenz hat das Quartett nun wieder einmal Sindelfingen beehrt. Für Bluesfans war’s ein Genuss.

Der Blues und Bayern, das funktioniert. Mitte der 1970er Jahre etwa spielte Peter Jakobi zusammen mit Willy Michl das Album „I could cry vor lauta bluus“ ein, bis heute ein Kleinod für die Verquickung satirisch-giftiger Reime im bayerischen Dialekt mit Blues- und Rockrhythmen. Martin Schönke, Sänger und Gitarrist der 1986 gegründeten Little Martin & The Roosters setzt dagegen mehr auf die originalsprachliche Interpretation bekannter Bluesnummern, insbesondere Otis Rush, B.B. King, Buddy Guy und Albert Collins sind seine Einflussgeber. Kommt eigenes Material zum Einsatz, dann klingt dies ebenso authentisch wie im Mutterland des Blues.

Verwunderlich ist das nicht, haben Little Martin & The Roosters bis 2003 doch mit so namhaften Bluesmusikern wie Louisiana Red, Champion Jack Dupree getourt und es auf durchschnittlich 120 Auftritte pro Jahr gebracht, darunter auch einen zu Sindelfinger Movida-Zeiten. Dass Little Martin eine sechs Jahre währende Bandpause eingelegt hat, fällt bei der Spielfreude der Band im Pavillon nicht auf. Die Fans scheinen froh über die Rückkehr von Martin Schönke, seinem älteren (und größeren) Bruder Bernhard, Schlagzeuger Björn Kellerstraß und der für willkommene Abwechslung beim Gesang sorgenden Keyboarderin Alexandra Fischer. Vereinzelt wird getanzt, draußen im Foyer sogar in die Bluesharp geblasen.

Besondere Momente dieses von flotten, manchmal den Einfluss von Funk versprühenden bis hin zu schleppend langsamen Nummern reichenden Programms sind jene, in denen Bass, Keyboard und Schlagzeug so heruntergedämpft gespielt werden, als drängten nur noch abgedämpfte Fetzen wie aus einem Nebenraum, während Martin Schönke seine Gitarre auf kunstvoll virtuose Weise – Licht aus, Spot an - aufjaulen lässt. Das sind dann Momente, in denen man dann „vor lauta bluus“ Freudentränen vergießen möchte. Dass zum Schluss hin dann zwar nicht etwa der Bluesstandard „Little Red Rooster“ zur Aufführung gelangt, sondern ein Stück in seiner Rhythmusstruktur an die Spider-Murphy-Gang erinnert, mag repertoiretechnisch eine Besonderheit darstellen – passt aber insofern, als sich so der Kreis zu München wieder schließt.