Papa hält den Rhythmus

Sindelfinger Zeitung vom Donnerstag, 17. Dezember 2009
Pressebericht zu unserer Veranstaltung JOSCHO STEPHAN QUARTETT - Gypsy Swing

Von unserem Mitarbeiter Hans-Ulrich Kramer

Klar im Fokus des Geschehens steht der 30-jährige Joscho Stephan, der unter Beweis stellt, dass er ein Ausnahmegitarrist ist und dass diverse Auszeichnungen vollkommen berechtigt sind. Joscho Stephan beherrscht alle Tricks und Kniffe, die einen virtuosen Gitarristen auszeichnen: eine brillante Vibrato- und Bending-Technik, einen rasend schnellen Tremolo-Anschlag oder die Fähigkeit zu spannungsreichen Tempowechseln.

Seine musikalischen Höhenflüge werden auch deshalb ermöglicht, weil Papa Günter Stephan an der Rhythmusgitarre und Max Schaaf am Kontrabass den Sound gekonnt zusammenhalten. Sebastian Reimann nimmt mit seiner Violine immer wieder die Melodielinie von Joscho Stephan auf und sorgt für ein in sich stimmiges Ganzes. Wobei sein Sound deutlich puristischer und schnörkelloser ist als der des Bandleaders.

Joscho Stephan ist dabei kein entrückter Alleskönner, sondern ein Musiker, der mit dem Publikum interagiert. Der Bandleader setzt immer wieder ein verschmitztes Lächeln auf und hält Blickkontakt mit den Zuhörern. Die Frotzeleien und Witze haben aber nur deshalb ihre Daseinsberechtigung, weil die Musik so gelungen, an vielen Stellen sogar brillant ist.

Ein erster Höhepunkt ist die Interpretation des „Minor Blues“ von Django Reinhardt, bei dem die Vibrato- und Bending-Technik von Joscho Stephan besonders gut zum Tragen kommt. Rasche Tempowechsel und ein gelungener Spannungsaufbau runden diesen Titel ab. Exzellent gerät auch die Version von Duke Ellingtons „Caravan“: Mit seinem Tremolo-Anschlag hetzt Joscho Stephan in einem Höllentempo übers Gitarrenbrett. Und auch Sebastian Reimann an der Violine legt einen schnellen Parforceritt hin.

Mozart wie ein Donnerschlag

Der Schluss gerät dann wie ein Donnerschlag. Mit der „Alla Turca“ von Mozart gibt es später einen Ausflug in klassische Gefilde. Kurz und bündig, und einmal mehr in einem Wahnsinnstempo. Aber auch zartschmelzende Balladen gehören zum Repertoire des Quartetts: Bei „If I had you“, einst gesungen von Frank Sinatra, besticht Joscho Stephan mit zart hingetupften Flageolett-Tönen. Und auch die insgesamt drei Zugaben haben es in sich: Vor allem „Take the A-train“ ist noch einmal ein echtes, episches Highlight. Das Publikum ist danach zurecht aus dem Häuschen.