Jubiläumsauftritt ist auch ein Gedenkkonzert

Kreiszeitung Böblingen vom Freitag, 9. April 2010
Pressebericht zu unserer Veranstaltung ASAMBLEA MEDITERRANEA - CD-Präsentation

Asamblea Mediterranea stellen im Pavillon ihre neue CD vor und trauern um Sängerin Regine Dreßen - Interview mit Gitarrist Alon Wallach

Mit dem Sindelfinger Pavillon hat das Ensemble Asamblea Mediterranea gute Erfahrungen. Nun stellt die Gruppe dort ihre dritte CD vor und feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Zugleich ist der Auftritt aber auch ein Gedenken an die kürzlich verstorbene Sängerin und Gründerin Regine Dreßen.

Von Siegfried Dannecker

SINDELFINGEN. "Regine ist vor einigen Wochen an einem Schlaganfall verstorben", sagt Alon Wallach (29), Gitarrist, Arrangeur und Leiter von Asamblea Mediterranea.

Herr Wallach, Ihr Auftritt am 17. April im Pavillon ist überschattet vom Tod von Regine Dreßen. Ihre so wunderbare Alt-Stimme wird fehlen.

Ja, sehr. Wir sind alle immer noch in Trauer. Denn Regine und ihr Mann Hans-Christoph haben die Band vor genau zehn Jahren gegründet. Ohne Regine gäbe es keine sephardische Musik in dieser Größenordnung in Deutschland. Dann wäre diese Kultur hier nicht vertreten. Das war im Wesentlichen ihre Arbeit und Organisation. Sie hat die Gruppe entwickelt und zur heutigen Blüte gebracht.

Heißt das, Sie haben jetzt nur noch Ines Amanovic als Sängerin mit ihrer glockenklaren Stimme?

Nein, wir bleiben bei zwei Sängerinnen und haben mit Gabriele Lech, einer gebürtigen Stuttgarterin, die erst in Dresden studiert hat und jetzt in Stuttgart, eine Nachfolgerin gefunden.

Sephardische Musik - das ist die Musikkultur der Juden im Mittelmeerraum. Eine Musik, die die ganze Spannbreite tiefen Leids und großer Freude ausdrückt und die Seele anzusprechen weiß.

Zweifellos. Diesen Gefühlskosmos erlebt unser Publikum immer sehr intensiv. Vielleicht noch mehr, seitdem wir auch die Musik der Sepharden auf die Musik der Ashkenazen treffen lassen. Und auf Klezmer. Dass das funktioniert, haben wir bei einem Konzert mit Helmut Eisel im Theaterhaus in Stuttgart gesehen. Das hat uns auf die Idee gebracht, ein wenig Klezmer zu integrieren.

Das geht nicht ohne Klarinette. Wer spielt sie?

Alexander Bokolishvili aus Georgien. Er wird im Pavillon mit dabei sein - einigen Stücken wird er seine spezifische Klangfarbe beisteuern.

"Et Dodim Cala", die dritte CD-Produktion von Asamblea Mediterranea, wurde von der Volkshochschule Böblingen-Sindelfingen stark unterstützt.

Darüber sind wir sehr froh. Deshalb stellen wir sie ja auch gerne in Sindelfingen vor.

Think global, play local. Gilt das auch für das Aufnahmestudio?

Sicher. Wir haben "Et Dodim Cala" im Neckarsound-Studio bei Gerd Waiblinger in Tübingen eingespielt. Das kann ich nur empfehlen - vom technischen Equipment bis zur geduldigen Perfektion des Tonmeisters. Selbst als ich sagte "Es reicht", hörte Gerd Waiblinger immer noch Unstimmigkeiten heraus. Fantastisch. Das gilt auch für sein Abmischen.

Von dem seinerzeitigen ersten Konzert im Sindelfinger Pavillon im März 2008 sprechen viele Leute bis heute. Obwohl der Saal nicht ausverkauft war.

Es waren so 70, 80 Leute da. Aber das ist nicht mal so entscheidend. Am Ende ist es nicht so sehr wichtig, ob ein Saal voll ist, sondern wie die Leute drauf sind. Manchmal fühlen sich zehn Leute an, als ob die Bude voll wäre.

Was zeichnet den Pavillon aus?

Er bietet für Konzerte wie unseres einen angemessenen Rahmen. Atmosphäre, Publikum, Sound: All das hat uns super gefallen, das wollen wir nochmal so erleben.

Ihre Band spielt ansonsten sehr häufig in Kirchen.

Stimmt. Die Evangelische Kirche in Deutschland ist für unsere Musik sehr offen. Wir werden von dort oft angefragt oder tragen uns an. Außerdem haben wir 2009 im Rahmen der Eröffnung der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg gespielt. Seither sind wir auf der Musikerliste des Zentralrats der Juden in Deutschland. Das ist natürlich ein Meilenstein. Teil einer so starken Organisation zu sein, ist sehr wichtig für uns.

Obwohl das Ensemble ja vornehmlich aus Deutschen besteht. Das jüdische Element bringen nur Sie per Geburt mit. Wie gefällt es Ihnen in Deutschland?

Ich fühle mich hier sehr wohl - das gilt für Deutschland, Stuttgart, wo ich wohne, und Sindelfingen, wo ich viermal die Woche unterrichte - an der VHS und an der Musikschule, die bestimmt eine der schönsten im ganzen Land ist. Auch das Lehrerkollegium gefällt mir.

Sie haben Ihr Heimatland für das Studium verlassen?

Ja. Hauptsächlich. Der türkische Dozent Ihsan Furnagöl war mein Lehrer in Stuttgart. Den hat mir mein Lehrer in Israel empfohlen. Im Übrigen genießt das deutsche Musikhochschulwesen mit Recht international einen sehr guten Ruf. Und ich wollte eben die besten Voraussetzungen für meinen Musikerberuf mitbringen.