
Bei dieser Jazzsängerin ist (fast) alles erlaubt
Pressebericht zu unserer Veranstaltung BBQ - Barbara Bürkle Quintett - „Everything Allowed“
Die gebürtige Böblingerin Barbara Bürkle ist mit ihrem Quintett heute im Pavillon in Sindelfingen zu Gast - Besonderer USA-Trip
Von Robert Krülle
SINDELFINGEN. So richtig daheim angekommen ist Barbara Bürkle noch nicht - die Gedanken hängen noch in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington. Dort war die Sängerin Anfang Oktober für einige Tage, um am wohl renommiertesten Nachwuchswettbewerb der gesamten Jazzszene teilzunehmen, dem "Thelonious Monk International Competition".
Von 237 Bewerbern weltweit hatte die hochkarätige Jury zwölf Teilnehmer ausgewählt - unter ihnen Bürkle. "Alleine dort nur sein zu dürfen, ist der absolute Wahnsinn", schwärmt die 30-Jährige, die im Böblinger Krankenhaus geboren, aber seit jeher in Stuttgart beheimatet ist. Das Niveau des Wettbewerbs ist extrem hoch, fast nebenbei kommt man in Kontakt mit allerlei Größen des Jazzbusiness. In der Jury vor Ort saßen zum Beispiel Al Jarreau oder Dee Dee Bridgewater. Aretha Franklin hatte zwar kurz vor knapp abgesagt, dafür war Pianist Herbie Hancock zu Gast. "Da werden einem die Knie weich, wenn man mit diesen Leuten zu tun hat", berichtet Bürkle.
Ins Finale der besten sechs hat es für die Deutsche allerdings ganz knapp nicht gereicht. "Natürlich ist man dann ein bisschen enttäuscht", sagt Bürkle, "aber die Freude über die Teilnahme überwiegt." Zumal auch so die Aufmerksamkeit auf die Stuttgarter Sängerin enorm gewachsen ist. "Ich habe einen Stapel Visitenkarten mitgebracht", erzählt Bürkle lachend, "von vielen Seiten habe ich Unterstützung zugesagt bekommen." Da sie sowieso im kommenden Jahr einen USA-Aufenthalt geplant hatte, erweist sich der Wettbewerb jetzt als optimaler Türöffner. "Jetzt sind in dieser Zeit sogar Auftritte denkbar und ich kann vielleicht bei einigen Größen Unterricht nehmen."
Eigentlich ist Barbara Bürkle sehr spät zum Jazzgesang gekommen. Das Singen und die Musik spielten zwar schon immer eine wichtige Rolle im Leben der Stuttgarterin, aber erst gegen Ende der Schulzeit wurde deutlich, dass sie wohl mehr aus ihrer Stimme machen könnte. "Das ist aber nicht so untypisch", erläutert Bürkle, "schließlich braucht es als Sänger schon eine Portion Mut und eine gewisse Festigkeit, deshalb sind die Vokalisten oft etwas später dran."
Mit 19 Jahren nahm Bürkle Gesangsunterricht und bewarb sich parallel an Musikhochschulen - mit dem erstaunlichen Ergebnis, gleich zwei Angebote für Studienplätze zu bekommen. Bürkle entschied sich nicht für Nürnberg, sondern ging nach Mannheim und studierte dort bis 2003 Jazz- und Popularmusik. Im Abschlussjahr wurde die Sängerin im Bundesjugendjazzorchester aufgenommen und tourte mit dem Auswahlensemble durch die Lande. "Wir waren zum Beispiel in Südafrika", erzählt Bürkle, "ein tolles Erlebnis."
Mit dem A-Capella-Ensemble "Klangbezirk" war die gebürtige Böblingerin sehr erfolgreich, tourte unter anderem durch Asien und heimste etliche Preise ein. Im Jahr 2007 gründete sich dann das Barbara-Bürkle-Quintett, mit dem sie heute im Pavillon zu Gast ist.
In dieser Combo ist alles auf Barbara Bürkle zugeschnitten, die 30-Jährige hat die zentrale Position. "Ich kann mich da total austoben", sagt sie. Stückauswahl, Arrangements und Kompositionen sind von Bürkle, die betont, dass ihr Pop- und Rockmusik ebenso am Herzen liegt wie der Jazz. Nicht von ungefähr heißt die CD des Quintetts "Everything Allowed" - alles erlaubt. "Wichtig ist mir, dass die Musik Esprit hat und interessant ist", betont Bürkle, "und da kommt es ja nicht unbedingt auf die Stilrichtung an."
Sowieso bezeichnet sich die Sängerin selbst als Bauchmusikerin. "Ich stehe mir beim Musikmachen eher selbst im Weg, wenn ich mir zu viele Gedanken mache", gesteht die 30-Jährige lachend, "es muss viel mehr von innen kommen." Genau diese Gabe lässt die Stuttgarterin wohl auch bei den Wettbewerben so gut aussehen.
"Natürlich bin ich immer wieder aufgeregt", sagt sie, "aber wenn man in die Musik eintaucht, Ohren und Herz öffnet, dann läuft meistens alles wie von selbst."

