
Zwei Virtuosen im Rausch der Gitarren
Pressebericht zu unserer Veranstaltung RALF ILLENBERGER und PETER AUTSCHBACH - Gitarren-Heroes
Ralf Illenberger und Peter Autschbach im Pavillon Sindelfingen
Von Monika Johna
SINDELFINGEN. Spielerisch leicht tänzeln die ersten Töne durch den Raum. Wie eine Antwort legen sich Akkorde im Gleichklang darüber. Die beiden Herren, die diesen musikalischen Zauber veranstalten, scheinen gar nicht da zu sein. Die Köpfe über ihre Gitarren gebeugt, die Augen geschlossen, verzücken Peter Autschbach und Ralf Illenberger sich und ihr Publikum.
Die Besucher im Pavillon bekommen an diesem Samstagabend Gitarre satt zu hören. Wenn solche bekannten Saitengrößen wie Illenberger und Autschbach zum Konzert laden, dann kann das eigentlich auch gar nicht anders sein. Illenberger ist bereits vor 30 Jahren im Duo mit Martin Kolbe als Könner seines Fachs aufgefallen. Autschbach verbucht 400 Auftritte als Gitarrist bei der Rockoper „Tommy“ von Pete Townsend und Tourneen mit Gloria Gayner und den Moody Blues für sich. Gemeinsam spielen sie an diesem Abend etliche Stücke aus dem früheren Illenberger/Kolbe-Repertoire.
„Das nächste Lied hat Ralf mal im ZDF bei der Drehscheibe gespielt, und ich habe mich immer gefragt, was Ralf da macht“, erzählt Autschbach vor einem weiteren Stück der beiden. Er muss es rausgefunden haben, denn es folgt eine gemeinsame flotte Hatz von Akkord zu Akkord. Die beiden ergänzen sich perfekt, virtuos umspielen sie einander in ihren Einsätzen so, dass der Zuhörer sich fragt: Wo kommen bloß all die Töne her?
Komplex arrangiert, glasklar vorgetragen, ist es eine Musik zum Wegträumen, das ein oder andere Mal maßvoll gewürzt mit einer Prise Melancholie. Auf die Spitze getrieben heißt das dann „Veitstanz“. „Das Stück ist toll, es ist wie ein Trip. Wenn man da die Augen zumacht, dann ist man weg, dann braucht man keine Drogen mehr“, kündigt Autschbach an. Und tatsächlich. Die Gitarren bringen Themen, die sich durchziehen, Themen, die den Zuhörer mitziehen. Immer weiter, immer weiter. Bis die Instrumente sanft und leise ausklingen und Peter Autschbach das Mikro in die Hand nimmt, um seine Zuhörer mit einer weiteren Anekdote sanft in den nächsten Gitarrenrausch hinüberzugeleiten.
„Das war jetzt ein komplett improvisiertes Stück“
Die beiden können sich hier in Sindelfingen zahlreicher Fans erfreuen, der Saal ist voll besetzt an diesem Abend und in der Pause drängen sich viele Leute um den Verkaufstisch mit den CDs und Autschbachs Lehrbüchern. Ein besonders begeisterter Besucher möchte gar das Plakat mit den beiden Musikern im Foyer haben. Der gebürtige Stuttgarter Illenberger wohnt mittlerweile in den USA. Dieser Umstand hindert die beiden aber nicht daran, gemeinsam etwas zu komponieren: „Kristallschloss“, die erste Illenberger/Autschbach-Komposition. Im Grunde geht das dann wie beim Gitarrespielen. Der eine fängt an, der andere greift es auf. Auch zum Spontaneinsatz sind die beiden problemlos in der Lage. „Das war jetzt ein komplett improvisiertes Stück“, verrät Autschbach im Anschluss.
Wenn die beiden spielen, dann steckt das an. Hingebungsvoll bearbeiten sie ihre Instrumente, manchmal wirken sie fast entrückt angesichts der wunderbaren Klänge, die sich hier beinahe zauberhaft passgenau aneinanderfügen. Und trotzdem treten sie hier als Künstler auf, die man anfassen kann. Spürbar die Begeisterung, wenn es ihnen gelingt, ihre Gitarren immer noch perfekter ins Spiel zu bringen. So ist es denn auch keine Frage, dass man dieses Duo erst nach drei Zugaben ziehen lässt.
Mit dem Gitarrenkonzert ist man im Sindelfinger Pavillon beinahe am Ende des diesjährigen Programms angekommen. Nun stehen noch die Weihnachtssession und die Silvesterparty mit der Band Max Fracas aus. Im Februar kommt dann Wolf Maahn zum Start des Frühjahrsprogramm in die Calwer Straße 36.
Außerdem haben sich die Macher der IG Kultur für alle Pavillon-Fans noch etwas Neues ausgedacht. Für fünf Euro kann man einen Kalender erstehen, in den bereits die Veranstaltungen von 2012 eingetragen sind. Dann kann zumindest kulturell im neuen Jahr nichts mehr schief gehen.

